00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Götter Funken, die Lauschfrequenz für europapolitische Ohren.
00:00:06: Mein Name ist Amelie und ich bin heute hier mit ...
00:00:09: Mit Jen!
00:00:10: Hi!
00:00:11: Schön dass ihr wieder bei uns seid und zuhört.
00:00:15: Und, ähm...Amelie wir haben uns ein Thema vorgenommen, ja.
00:00:19: Das mir persönlich auch und uns schwer auf dem Herzen liegt.
00:00:25: das ist ein Thema dass oft hinter verschlossenen Türen verhandelt wird, aber uns alle auf jeden Fall angeht.
00:00:32: Es ist schmerzhaft, es ist unbequem, aber es ist von existenzieller Bedeutung.
00:00:37: und wir sprechen heute über Gewalt gegen Frauen in der Europäischen Union?
00:00:43: Ganz genau.
00:00:44: Und dazu begehen auch jedes Jahr, allerdings erst am XXV November die Vereinten Nationen offiziell den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt Gegen Frauen also einen Tag, der bereits seit ja auch neunzehnneunzehntig schon im Kalender steht um eben diese weltweite Aufmerksamkeit auf diese fundamentale Menschenrechtsverletzung doch auch zu lenken.
00:01:07: Wenn wir aber mal ganz ehrlich sind, so ein einziger Tag reicht bei Weitem nicht aus um auch überhaupt dieses ganze Ausmaß zu begreifen und das Thema sollte jeden Tag irgendwie im Jahr in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen finde ich.
00:01:21: Ja auf jeden Fall!
00:01:22: Und wenn man die Medienberichte verfolgt liest man ja immer wieder von Tragödien Beziehungsdramen oder Eifersuchztaten.
00:01:31: Aber wenn wir das mal genau betrachten, verharmlosen diese Begriffe Was ja in der Realität passiert?
00:01:38: Das ist kein privates Schicksal, sondern ein systemisches strukturelles Problem.
00:01:44: Absolut und wir können hier vielleicht auch mal direkt mit einer Zahl einsteigen die dieses Fundament für unsere heutige wahrscheinlich doch sehr ausführliche Diskussion bildet nämlich eine Zahl, die man auch mehrmals hören muss um ihre Brutalität erst begreifen zu können.
00:02:02: Denn jede dritte Frau in der Europäischen Union hat im Laufe ihres Lebens bereits ja physische und oder auch sexuelle Gewalt erleben müssen, erfahren müssen.
00:02:12: Oh
00:02:12: Gott!
00:02:13: Jede Dritte Frau, Amelie, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.
00:02:17: Das heißt also wenn ich mich an der Straßenbahn umsehe im Freundeskreis Bei Kolleginnen im Büro ist es so, dass das statistisch jede dritte Frau erlebt hat.
00:02:29: Und das ist eine unfassbare Dimension!
00:02:32: Das sind in absoluten Zahlen allein in Europa laut Schätzungen zweiundsechzig Millionen Frauen.
00:02:37: Wie kann es sein, dass eine so riesige Welle der Gewalt im Alltag so umsichtbar bleibt?
00:02:42: Genau dieser Frage wollen wir heute auch auf dem Grund gehen, also wir werden die verschiedenen Formen von Gewalt noch mal sehziehen.
00:02:50: Wir schauen uns die brandaktuellen Daten der EU-Grundrechteagentur an und den Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen.
00:03:03: Und wir werden besprechen, warum Europa hier jahrelang so einen blinden Fleck kann man das schon nennen hatte und warum manche Länder in den Statistiken viel schlechter abschneiden als andere.
00:03:14: Stichwort einmal vorweg etwas nordische Paradoxon aber da kommen wir später nochmal zu.
00:03:19: Und wir werfen auch einen detaillierten Blick natürlich auf Deutschland, denn auch hier hat das Bundeskriminalamt kürzlich erst ein ja erstes Dargebild veröffentlicht was uns dann hoffentlich die Augen schlussendlich komplett öffnet.
00:03:33: Okay
00:03:34: bevor wir aber tief in die Statistiken eintauchen finde ich sollten wir nochmal ganz kurz mit den Begriffen aufräumen.
00:03:42: wenn wir von Gewalt gegen Frauen sprechen denken ja die meisten Menschen sofort an physische Gewalt also Schlägetritte Misshandlung usw.
00:03:50: Aber die Realität ist ja sehr vielschichtiger, oder?
00:03:54: Und was genau zählt die Wissenschaft und die Gesetzgebung denn heute eigentlich alles dazu,
00:03:59: Amelie?".
00:04:00: Das
00:04:00: ist ein ganz entscheidender Punkt.
00:04:02: also Gewalt fängt nicht erst beim ersten Schlag an.
00:04:05: wenn wir uns die europäischen Definitionen und Studien ansehen wird gewalt da auch in verschiedene Hauptkategorien unterteilt.
00:04:12: Die gehen auch oft fließend ineinander ein.
00:04:16: Die großen Säulen sind dabei physische Gewalt.
00:04:19: Dann haben wir auch die sexuelle Gewalt, natürlich auch die psychische Gewald und in den letzten Jahren auch wirklich erst massiv an Bedeutung gewonnen.
00:04:27: Besprechen wie hier von der digitalen Gewalt?
00:04:29: Oh ja genau!
00:04:30: Auch ganz wichtig.
00:04:32: Lass uns die gerne mal im Einzelnen durchgehen und ich würde sagen, wir fangen einfach einmal mit der physischen und sexuellen Gewalte an.
00:04:39: Was sagen uns da die Definition?
00:04:41: Also physische Gewalt umfasst jede erzogene körperliche Einwirkung.
00:04:46: Es kann schupsen sein, es kann Haare ziehen sein.
00:04:49: Das kann aber auch rübergehen zu wirklich schweren Schlägen und auch Körperverletzung.
00:04:55: Wenn wir von der sexuellen Gewalt sprechen dann reicht das schon von ungewollten Berührungen über sexuelle Nötigung bis hin zur Vergewaltigung.
00:05:04: Und ja, aktuelle EU-Erhebung zeigen hier halt auch wirklich ein erschreckendes Bild.
00:05:09: Denn eine von sechs Frauen in der EU hat im Erwachsenenalter sexuelle Gewalt erfahren müssen.
00:05:16: und wenn wir über diese sexualen Übergriffe auch im Alltag sprechen, müssen wir auch über den Arbeitsplatz reden denn jede dritte Frau in die EU wurde schon am Arbeitsplatz auch sexuell belästigt.
00:05:27: Bei den berufstätigen Frauen ist die Zahl noch höher, also zwei von fünf Frauen im Alter.
00:05:32: Von achtzehn bis seventy- vier Jahren waren bereits Opfer von sexueller Belästigung im Job.
00:05:37: Okay das bedeutet ja dass der Arbeitsplatz für fast die Hälfte aller Frauen gar kein sicherer Ort mehr ist.
00:05:44: Das finde ich ganz schön schockierend.
00:05:46: aber wie sieht es eigentlich mit der dritten Säule aus?
00:05:49: Der psychischen Gewalt?
00:05:51: Die ist oft viel schwerer nachzuweisen weil man sieht keine blauen Flecken Und trotzdem zerstört sie systematisch das Leben der Betroffenen.
00:06:00: Psychische Gewalt ist oft so ein Fundament, auf dem ja körperliche Gewalt auch aufbaut oder aufbauen kann.
00:06:06: Sie ersetzt sich dann den Muster in der Kontrolle, der Dominanz und auch so eine herabwürdigende Herabsetzung.
00:06:13: also.
00:06:13: dazu gehören Beleidigung Demütigung in der Öffentlichkeit aber auch im privaten Raum Eifersucht, extremer Eifversuch, Drohung gegen die Frau oder auch gegen ihre Kinder.
00:06:24: Finanzielle Kontrolle spielte auch mit.
00:06:26: rein wurde auch die systematische Isolation von Freunden und Familie.
00:06:31: In Deutschland zum Beispiel gaben bis zu neunundfünfzig Prozent der befragten Frauen an, dass sie solche Gewalttaten wie eben Herabsetzung, Isolation, Drohung also so psychische Gewalt schon erfahren mussten.
00:06:46: Und ja, neun und fünfzig Prozent ist natürlich eine krasse Zahl das mehr als jede zweite Frau.
00:06:52: auf jeden Fall krass aber okay.
00:06:54: da gibt es ja noch die vierte Säule die du erwähnt hast die digitale Gewalt.
00:06:59: Durch Smartphones, soziale Medien und neue Technologien hat sich der Raum in dem die Gewalt ausgeübt werden kann massiv vergrößert.
00:07:08: Die Gewalt verfolgt die Frauen bis ins Schlafzimmer auf Schritt und Tritt?
00:07:12: Ja, die Digitalisierung hat der Gewalt natürlich auch eine neue und auch perfide Plattform geboten.
00:07:18: das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen betont dabei auch immer wieder dass online Gewalt auf wirklich echte Gewalt ist.
00:07:25: dazu gehören dann Form wie Cyber-Stalking Die Verfolgung von Standortdaten, natürlich auch das Versenden von Drohungen über verschiedene Messenger-Dienste des Bloßstellen durch das veröffentlichen privater Bilder.
00:07:39: Also da gibt es noch mal das sogenannte Revenge Porn.
00:07:43: also das ist so eine zunehmende Verbreitung auch von KI generierten Deepfakes.
00:07:48: Da sind die Gesichter von Frauen ohne deren Zustimmung hineinmontiert worden auf ponographisches Material.
00:07:56: Das Europäische Institut für Gleichstellung hat dazu spezielle Untersuchungen gemacht, insbesondere über Gewalt gegen junge Mädchen.
00:08:05: Die Studien zeigen auch ein erschreckendes Bild.
00:08:08: Gewalt gegen Mädchen überschreitet heute alle Grenzen, also Mädchen wachten morgens auf dann greift sie zum Handy und vielleicht muss sie als erstes lesen was online über sie verbreitet wurde bevor sie überhaupt in die Schule gehen kann.
00:08:21: Und das Tragische daran ist, wenn diese jungen Mädchen sich dann irgendwie anderen Personen anvertrauen und ihre Stimme erheben, versagt das System auch ganz oft.
00:08:32: Die Plattformen und die Institution ziehen sich aus der Affäre anstatt über wirksame Schutz- und Präventionsmaßnahmen zu verfügen.
00:08:42: Ja, da muss ich jetzt gerade tatsächlich an diesen Fall denken mit Christian Olm und...
00:08:47: Colin Fernandes.
00:08:48: Ganz genau die beiden, ne?
00:08:49: Das war ja auch jetzt vor kurzem relativ dick in den Medien.
00:08:53: Ich fand das ganz gut wie sie sich da positioniert hat.
00:08:55: dass sie darauf aufmerksam gemacht hat Fand ich auf jeden fall eine krasse Geschichte.
00:08:59: Und ja auch heißt es ja, dass der digitale Raum im Prinzip gar kein virtuelles Randproblem ist sondern wirklich ein hochgradiger psychischer Katalysator für Terror.
00:09:10: Und wenn wir uns diese Dimension vor Augen führen, merken wir wie umfassend das Problem ist.
00:09:16: Und am extremsten Schrecklichsten Ende dieser Gewaltspirale steht ein Begriff der auch in Europa immer lauter diskutiert werden muss – Femizid!
00:09:26: Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff und warum ist es so wichtig, ihn explizit zu benennen?
00:09:32: Der Begriff Feminizie der bezeichnet die Tötung von Frauen und Mädchen halt aufgrund ihres Geschlechts also schlecht untergreifend einfach weil sie Frauen sind.
00:09:41: Und hierbei handelt es sich um die extremste Form geschlechtsspezifischer Gewalt Also oft das tödliche Ende einer doch langen Kette von Gewalt in partnerschaftlichen Beziehungen.
00:09:53: Und lange Zeit war dies in den Kriminalstatistiken einfach unter Tötungsdelikten auch subsumiert, also ohne diese geschlechtsspezifische Dimension auch sichtbar zu machen.
00:10:05: und es erschwert natürlich die Daten EU-weit zu vereinheitlichen und vergleichbare Ergebnisse auch zu finden um eben effektive Schutzmaßnahmen auch zu entwickeln.
00:10:16: und wenn wir diese Taten nicht beim Namen nennen, dann können wir sie auch nicht wirksam bekämpfen.
00:10:20: Korrekt ja!
00:10:22: So jetzt haben wir über die Definition gesprochen.
00:10:25: ich würde den Blick auch gerne nochmal auf die aktuellen Daten richten, die das Ausmaß der Gewalt in der Europäischen Union dokumentieren.
00:10:35: es gab ja zwischen Eine gigantische EU-weite Erhebung.
00:10:43: Wer stand hinter dieser Studie und wie wurde sie durchgeführt, Amelie?
00:10:47: Ja, dies ist eine der methodisch Anspruchvollsten und auch umfassendsten Studien die wir je zu diesem Thema in Europa hatten.
00:10:54: Wurde gemeinsam von den drei federführenden Organisationen der EU für Statistik Grundrechte und Gleichstellung durchgeführt.
00:11:01: also was ich auch am Anfang schon genannt hatte Eurostat der EU-Agentur für Grundreichte und halt auch eben dem europäischen Institution für Gleichstellungsfragen.
00:11:12: Und diese Datenerhebung, die erschreckte sich über fast vier Jahre.
00:11:15: Also hast du ja schon gesagt, zwanzigzwanzig bis zwanzivvierundzwanzigh, genau genommen von September ... äh, ja... ...zweitausenswanzig- bis mehr zwentausendschwanzig und dabei wohnen mehr als einhundert Zehntausend Frauen im Alter zwischen achtzehn und siebzig Jahren in der gesamten EU detailliert und auch unter strengsten Vertraulichkeitsregeln zu ihren Erfahrungen
00:11:38: befragt.".
00:11:40: Über onehundertzehntausend Frauen.
00:11:42: Das ist eine enorme Datenbasis, die diese Statistik extrem belastbar macht und die Ergebnisse bestätigen im Grunde das schockierende Bild, dass wir es gezwiert haben.
00:11:52: Lass uns die Kennzahlen dieser neuen Studie bitte einmal im Detail betrachten!
00:11:56: Ja, die Zahlen sind auf jeden Fall ein Wegruf der nicht mehr überhört werden darf.
00:12:00: Also erstens haben wir dreißig oder dreißiekommer sieben Prozent der befragten Frauen also fast jede dritte Frau in der EU.
00:12:09: die gaben dann an in ihrem Leben schon mal physische oder auch sexuelle Gewalt, oder halt eben konkrete Androhungen von Gewalt erfahren zu haben.
00:12:18: Zweiter Punkt ist auch dass das Zuhause für viele Frauen wirklich einer der gefährlichsten Orte ist.
00:12:24: hier gab eine von fünf Frauen also es sind denn so zwanzig Prozent an Dass sie schonmal physische und sexuelle gewalt durch einen Partner Oder einer Person aus dem eigenen haushalt erfahren haben.
00:12:38: Und bei der partnerschaftlichen Gewalt betrifft laut der Euro-Startbefragung das fast siebzehn Prozent aller Frauen.
00:12:49: und
00:12:50: ein dritter wichtiger Punkt ist auch, dass dieses Ausmaß halt schwerster sexueller Gewalt wirklich erschütternd ist.
00:12:56: Also eine von sechs Frauen im Erwachsenenalter wurde wie gesagt oft schon von sexueller Gewalt explizit inklusive Vergewaltigung.
00:13:07: Das muss man sich mal vorstellen.
00:13:08: Eine von fünf Frauen erfährt Gewalt im eigenen Zuhause, da wo man sich eigentlich am sichersten fühlen sollte und eine von sechs erlebt schwerste sexuelle Gewalt.
00:13:18: das ist ein unfassbares Versagen unserer Gesellschaft beim Schutz von Frauen.
00:13:23: aber Amelie es gab in dieser Studie einen Aspekt der mich noch sprachloser macht als die Polenopfer zahlen.
00:13:29: Es ist die Frage, was sind die Folgen dieser Gewalt und wie viele diese Taten kommen eigentlich ans Licht?
00:13:35: Ja da sprichst du wirklich die unsichtbare Dimension an das riesige Dunkelfeld.
00:13:40: und dass es in der Tat das erschütternste Ergebnis dieser Erhebung.
00:13:44: Gewalt gegen Frauen bleibt in den allermeisten Fällen für den Staat und für die Justiz unsichtbar.
00:13:50: obwohl die Frauen die Gewalt erleben im privaten Kreis oft mit einer nahestehenden Person auch darüber sprechen wird der Vorfall dann doch offiziell nie gemeldet.
00:13:59: Nur eine von fünf betroffenen Frauen, also wirklich diese zwanzig Prozent, wenden sich nach der Gewalterfahrung an ja ein Gesundheits- oder Sozialdienst und sage und schreibe nur jede achte Frau, also zwölf, fünf Prozent machen das aus, zeigen diese Tat auch bei der Polizei an.
00:14:17: Das bedeutet im Umkehrschluss sieben von acht Gewaltopfen tauchen keine offiziellen Polizeistatistik auf und tragen das Erlebte allein oder halt auch im Stillen mit sich herum, wo ich aber noch mal zu sagen muss wenn du heutzutage auch irgendwie zur Polizei gehst und beispielsweise eine Vergewaltigung anzeigen willst
00:14:38: ist
00:14:38: traurigerweise ja auch immer noch eine der ersten Fragen was du anhattest.
00:14:42: Ist es traurig?
00:14:43: Es ist so bodenlos also
00:14:46: Man kennt es ja auch von sich selbst.
00:14:47: Ich bin jetzt mal ganz ehrlich, ich habe das schon erlebt und mit mir selber ausgemacht bevor ich darüber gesprochen
00:14:53: hab.".
00:14:54: Ich bin nicht zur Polizei gegangen.
00:14:56: Ja,
00:14:56: weil man halt so doll Angst hat auch vor dem was irgendwie das für konsequent also ein Anführungszeichen Konsequenzen, ne?
00:15:03: Also man denkt halt irgendwie nein und dann krieg ich noch mehr Stress und hier und da Und wenn man so klein gemacht wird halt irgendwie auch und weiß auch nicht unser Justizsystem muss auf jeden Fall reformiert werden.
00:15:14: Wenn eine der ersten Fragen immer noch ist was man anhatte Und was man irgendwie selbst halt gemacht hat, damit es in diese Situation kommt dann ist da irgendwie das ein ganz, ganz gewaltiges Problem.
00:15:24: Da
00:15:24: ist ein großer Fehler im System ja
00:15:26: und da weiß ich nicht gibt's irgendwie auch keine Entschuldigung für.
00:15:29: Ja und dass obwohl dann auch nur jede Achte die zur Polizei geht, das ist halt ein ganz verheerendes Zeugnis und ich frage mich woran das liegt?
00:15:38: Warum haben wir denn so viele Frauen oder warum haben so viele Frau offenbar so wenig Vertrauen in die Polizei oder die Justizbehörden.
00:15:46: Oder schämen sie sich?
00:15:48: Ich weiß es nicht, also das kann alles mögliche sein!
00:15:50: Ich
00:15:51: glaube Charme ist auch ja wie gesagt ein Grund aber oftmals wird das auch so runter gespielt.
00:15:58: Also ich hatte letztens... Das habe ich euch erzählt da war ich in der Bar und da hat mir auch einer an den Rock hinten gefasst mich umgedreht zu ihm und habe ihn halt auch wirklich runter gemacht.
00:16:09: Und meinte, ey das geht hier gar nicht!
00:16:11: Was fällt dir ein?
00:16:12: Also ich war richtig, richtig sauer und die Barkeeper haben das mitbekommen und wollten den rausschmeißen.
00:16:19: aber die Chefin war da Und die hat gesagt, ich bin noch hier nicht die Mama von allen.
00:16:23: Ich kann doch nicht auf alles aufpassen.
00:16:25: Ja, wir müssen sie selbst klären!
00:16:26: Also so krank einfach... Das geht gar nicht, das geht überhaupt nicht und ich muss aber auch mal Applaus geben trotzdem an ganz viele andere Lokalitäten vor allem auch in Rostock, die das wirklich sehr ernst nehmen.
00:16:41: Da gibt es ganz viele wo du halt auch wirklich zur Bar gehen kannst und vielleicht auch nur irgendwelche Stichhörter nennen musst und die wissen schon Bescheid.
00:16:50: Aber kommen wir noch mal zurück auf dieses Vertrauen auch in die Polizei oder Justizbehörden.
00:16:56: Das ist halt so eine Mischung aus verschiedenen systematischen und psychologischen Faktoren, also das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen hat bei der Vorstellung der Daten irgendwie das auch treffend analysiert und erklärte eben auch dass Gewalt gegen Frauen tief in gesellschaftlichen Mustern von Kontrolle, Dominanz oder auch struktureller Ungleichheit verwurzelt.
00:17:19: Und viele Frauen leben halt in einer emotionalen und auch finanziellen oder häuslichen Abhängigkeit vom Täter, besonders auch bei häuslicher Gewalt.
00:17:29: Es gibt oft halt auch diese Angst dass eine Anzeige alles irgendwie nur noch schlimmer machen würde.
00:17:33: Also das haben wir ja auch schon mal gesagt also dass man irgendwie gesagt bekommt ah man glaubt ihr nicht?
00:17:38: Oder dass die Anzeigen dann im Sande verläuft halt einfach nicht ernst genommen wird Und leider zeigt die Praxis auf genug, dass Frauen, die sexuelle Gewalt anzeigen im Verfahren ja so eine sekundäre Victimisierung erfahren.
00:17:53: Also das ist eben genau das.
00:17:55: Das beschreibt diesen Vorgang, den wir schon genannt haben, dass sie Fragen irgendwie zuerst sind zur Ihrem Verhalten ihrer Leidung auch ihrem Alkoholkonsum als würden Sie irgendwie ne Mitschuld tragen.
00:18:07: Und da muss ich auch noch mal sagen, so eine Mitchell.
00:18:09: Das ist so auch Quatsch.
00:18:10: Kannst du dich noch dran erinnern als ich hier vor ein paar Tagen Post geholt habe?
00:18:13: Als es noch wärmer
00:18:14: war... Oh ja!
00:18:15: Du meinst den hübschen Rücken?
00:18:17: Der hübche Rücken kann entzückend
00:18:18: sein?!
00:18:18: Ja und dann hatte ich rückenfrei an und hinter mir stand einfach einen Mann.
00:18:22: Ich wirklich gestand nur hinter mir und ich hab nur die Post rausgeholt der mir denn auch schon irgendwie Kommentare zu meinem nackten Rücken gemacht hat und dass er da ja so gerne hinschauen würde und hier und da.
00:18:35: und ich denke mir das ist Sommer Also ich habe jetzt keinen tiefen Rückenausstitt gehabt, der mir irgendwie der sonst was offenbart hat.
00:18:43: und selbst wenn ist es immer noch meine Entscheidung natürlich.
00:18:46: Und dann dachte ich mir wirklich so, ich höre nicht richtig!
00:18:50: Ich bin einfach nur gegangen und dachte mir so behekelhaft
00:18:53: Ja, sowas bei mir jetzt gerade auf dem Festival.
00:18:56: Ich hab mich auch nicht so verhalten können wie ich mich verhalten wollte.
00:19:00: Ich stand da, wollte die Musik genießen und werde auf einmal von rechts von so einem betrunkenen Typen angequatscht und ich lächle noch nett und höflich, um ihn nicht zu provozieren.
00:19:09: Das ist ja auch so ein Ding!
00:19:10: Du musst immer daran denken dass du den nicht provozierst.
00:19:13: Ich möchte dich nicht so
00:19:14: verhalten denke ich damit der nicht dies das jenes tut weil ich möchte jetzt einfach keine Eskalation.
00:19:19: also habe ich versucht deeskalativ mich zu verhalten Und es hat nicht ausgereicht, dass ich nett gelächelt habe und mich wieder der Musik gewidmet hat.
00:19:27: Hat ihm ausgereigt um dann dementsprechend ein blödes Kommentar abzugeben weil er hat sich anscheinend nicht gesehen gefühlt von mir obwohl das nicht meine Aufgabe ist?
00:19:37: Ja eben!
00:19:37: Das ist nicht die Aufgabe einer Frau und ich weiß auch nicht was so ein penetrantes Verhalten überhaupt soll.
00:19:43: also man sagt ja auch immer so schön not all men but always a man
00:19:50: Was ich auch ganz wichtig finde, was ja jetzt auch noch mal abgeklärt wurde in der EU.
00:19:54: Nein heißt nein und auch kein Ja heißt nein.
00:19:58: also das ist ja auch nochmal ganz wichtig Und ich habe zum Beispiel einen weiteren Verlauf dieses Festivals an einer anderen Stelle einem anderen Mann erklärt dass Ich mich nicht unterhalten möchte weil ich war ein bisschen fertig und wollte mich einfach mal kurz ausruhen.
00:20:12: Denkst du das wurde akzeptiert?
00:20:13: Da wurde sich still neben mich gehockt und in die Luft gestartet so dass ich halt aufstehen musste und den Platz verlassen musste kurz allein sein wollte.
00:20:22: Und das fand ich auch nicht so schön und das ist ja auch das was immer wieder betont wird, ne?
00:20:27: Es gibt ja eine oder die erste große EU-Weiterhebung zur Gewalt gegen Frau zeigt.
00:20:33: ein Jahrzehnt später stehen wir immer noch exakt vor den gleichen schockenden Ausmaßangewalt.
00:20:39: jede dritte frau ist betroffen und es hat sich in den zehn Jahren trotz aller Lippenbekenntnisse der Politik fast gar nichts verändert.
00:20:47: Sie fordern also völlig zu Recht, dass politische Entscheidungsträger ihre Pflichten gegenüber den Opfern wahrnehmen und zwar dauerhaft.
00:20:56: Ja absolut!
00:20:57: Und da müssen wir halt auf wirklich eine konsequente geschlechtsspezifische Perspektive in alle Bereiche bringen wie Prävention, Hilfsdienste und Behörden.
00:21:09: Und als Frau muss man irgendwie dieses feste Vertrauen dann auch haben, dass das System einen schützt und dass das system ein auffängt.
00:21:16: Und auch einem bedingungslos geglaubt wird.
00:21:19: und auch nur so können mehr Frauen den Mut finden diese Schweigen dann auch zu brechen weil jede Frau hat das Recht sicher zu sein und das überall Allgemein.
00:21:30: gesellschaftlich muss sich das auch ändern.
00:21:32: Auch unsere Sprache, also wenn ich mir jetzt wirklich ältere Herrschaften anschaue die einen immer noch Fräule ein und sowas auch nennen.
00:21:41: Ich finde auch so was spielt das alles irgendwie nochmal soweit runter Und es darf einfach auch nicht sein
00:21:48: absolut korrekt.
00:21:49: Aber wenn wir uns diesen EU-weiten Ländervergleich mal kurz anschauen, zeigt sich ja einen auf den ersten Blick bizarres Phänomen.
00:21:58: Die Studie hat die Daten ja auf Länderebene aufgeschlüsselt und wenn man sich die Zahlen der Gewalt in Europa ansieht stolpert man über extreme Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten.
00:22:09: Amelien nimmt uns doch mal bitte ganz kurz mit in die Daten.
00:22:12: welche Länder weisen denn die höchsten Raten auf?
00:22:15: Und welche die niedrigsten?
00:22:17: Ja, das ist eines der am heftigsten auch diskutierten Ergebnisse der Studie.
00:22:22: Also laut den Daten gibt es da wirklich signifikante Unterschiede in der Verbreitung von Gewalt gegen Frauen innerhalb der EU.
00:22:28: Besonders hoch ist der Anteil der Frauen die angeben in ihren Leben halt schon mal Opfer von physischer und oder sexueller Gewalt geworden zu sein.
00:22:36: Gerade in Nordeuropäischen Ländern, Dänemark, Finland und Schweden wurde diese Statistik auch erhoben aber auch in Ungarn.
00:22:45: Gibt es hier neuere Grafiken die gezeigt werden oder gezeigt wurden?
00:22:51: In älteren Studien lag Dänemark beispielsweise mit einer Gewaltrate von fifty-fünfzig Prozent an der traurigen Spitze.
00:22:58: Am anderen Ende der Skala, also mit einem niedrigen oder den niedrigsten Gewaltraten finden wir dann Länder im Süden und Osten der EU.
00:23:08: Nämlich jetzt Bulgarien, Polen, Portugal, Tschechien – Polen verzeichnete in der älteren Studie bei neunzehn Prozent die niedrigste Gewaltrate.
00:23:17: Moment!
00:23:18: Das muss ich ganz kurz sagen lassen.
00:23:20: Die skandinavischen Länder Schweden, Dänemark-Finland die weltweit als absolute Pioniere der Gleichberechtigung gelten, in denen Frauen hochgradig emanzipiert sind und es eine hervorragende soziale Infrastruktur gibt.
00:23:32: Die haben die höchsten Gewaltraten in Europa und Länder, die gesellschaftlich in genderfragen oft eher traditioneller oder konservativer gelten belegen die hinteren Plätze.
00:23:43: das ergibt irgendwie auf den ersten Blick gar keinen Sinn.
00:23:47: nennt man dass nicht das sogenannte nordische Paradoxon?
00:23:50: Genau, da wären wir wieder.
00:23:52: Das ist das nordische Paradoxon und beschäftigt auch soziologen, kriminologinnen seit Jahren.
00:24:00: aber die Auflösung dieses Paradoxons liegt nicht darin dass skandinavische Männer per se irgendwie gewalttätiger sind als Männer im Süden oder Osten Europas.
00:24:09: der Schlüsse liegt hier einfach in der Erfassungsmethode und vor allem im gesellschaftlichen Diskurs im Bewusstsein.
00:24:19: Ah, ich habe eine Idee.
00:24:21: Aber erklär du uns das doch bitte genauer?
00:24:23: Was passiert da ganz genau auf kultureller Ebene?
00:24:26: Ja also im Wesentlichen gibt es da drei Erklärungsansätze eben für dieses Phänomen.
00:24:32: Der erste ist halt eben diese Bereitschaft zur Thematisierung.
00:24:35: Also in Ländern mit einem hohen Maß an Gleichberechtigung und einer offenen gesellschaftlichen Debatte wie Skandinavien ist das Bewusstsein dafür was Gewalt ist eben auch extrem hoch.
00:24:47: Frauen in diesen Ländern kennen ihre Rechte halt auch sehr, sehr genau und sie schämen sich auch weniger über das Erlebnis zu sprechen.
00:24:54: Sie sind kulturell auch eher bereit in Umfragen offen über ihre Gewalterfahrung auch zu berichten.
00:24:59: Und in traditionelleren Gesellschaften ist das Thema Gewalt in der Familie auch beispielsweise oft noch ein massives Tabu.
00:25:06: Also die Opfer, die scheuen sich trotz eben Zusicherung absoluter Vertraulichkeit über Begriffe zu sprechen weil das Thema eben extrem schambehaftet ist oder halt ja als Privatsache gilt.
00:25:19: Zum anderen haben wir aber eben auch die Definition von Gewalt, die auch eine sehr große Rolle spielt.
00:25:24: Also was definiert eine Frau als Gewalt?
00:25:27: In Schweden oder Dänemark wird zum Beispiel eine wiederholte Demütigung, extreme psychische Kontrolle und ein großer Stoß im Streit von der Frau viel eher als stechspezifische Gewalt wahrgenommen.
00:25:41: in Ländern, in denen diese Sensibilisierung nicht so weit vorgeschritten ist.
00:25:45: Da wird eben diese Art von Gewald oft gar nicht als solches wahrgenommen oder halt irgendwie als normal, als normaler Konflikt in der Beziehung auch abgetan.
00:25:56: und der dritte Punkt ist eben auch die Rolle des Staates.
00:25:59: Also in fortstrittlicheren Ländern wird Gewalt in der Partnerschaft staatlich verfolgt und gesellschaftlich auch geächtet und eben nicht als Privatproblem behandelt.
00:26:10: und das schafft natürlich auch ein Umfeld, in dem das sprechen über Gewalt legitimiert ist.
00:26:14: Okay, das bedeutet also vereinfacht.
00:26:16: Die hohen Zahlen im Norden sind paradoxerweise ein Indikator für ein hohes Problembewusstsein und eine geringere Schamgrenze beim Sprechen über das Thema.
00:26:24: Also sprich die Frauen trauen sich mehr darüber zu reden und die niedrigen Zahlen im Süden- und Ostenspiegeln in Wirklichkeit des riesige beharliche Schweigen und einer ungeheure Dunkelshilfer wieder.
00:26:36: Exakt so ist es!
00:26:38: Die Studienautoren betonen halt auch ausdrücklich dass man bei all diesen Zahlen im Hinterkopf auch behalten muss wie sehr die Dunkelziffer das Bild auch verzehrt.
00:26:46: Also ein Land mit niedrigen Zahlen ist nicht automatisch ein sicheres Land für Frauen, es ist oft nur ein Land in dem halt eben mehr geschwiegen wird.
00:26:55: Und apropos Ländervergleich?
00:26:57: Wie würde sich Deutschland da eigentlich einreihen?
00:26:59: Ja, im Grunde genommen liegt Deutschland so im gesamten europäischen Mittelfeld.
00:27:04: In der neueren Befragung gaben da ... ... eben Opfer von Gewalt geworden zu sein in einer älteren Studie.
00:27:13: Der lag der Wert für Deutschland noch bei ... ... was exakt den damaligen EU-Durchschnitt auch entsprach.
00:27:21: Wir sehen also auch in Deutschland ist Gewalt extrem weit verbreitet.
00:27:25: Also jede vierte bis jede dritte Frau ist betroffen.
00:27:28: Und das bringt uns auch direkt zum hochaktuellen Schwerpunkt unseres heutigen Gesprächs, denn wie sieht diese Gewalt in Deutschland dann überhaupt konkret aus?
00:27:36: Wenn wir uns die Zahlen der Kriminalstatistik mal ansehen.
00:27:39: Okay da würden wir nun zu einem der Meilensteine in der Erfassung dieses Problemes in Deutschland kommen.
00:27:45: Am neunzehnten November, zwei-tausend vierundzwanzig stellten Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Bundesfrauenministerin Lisa Pauß zusammen mit dem Vizepräsidenten des Bundeskriminalamts Michael Kretschmer ein historisches Dokument vor.
00:27:59: Es ist das allererste Bundeslagebild mit dem Titel Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten.
00:28:07: Warum ist dieses Lagebild so historisch?
00:28:10: Gab es bisher keine Zahlen dazu?
00:28:12: Also natürlich gab es irgendwie polizeiliche Kriminalstatistik und auch das Lagebild zu Partnerschaftsgewalt, aber diese neuen Lagebilder oder dieses neue Lagebild ist halt eben ein Malenstein.
00:28:25: Weil es zum ersten mal Daten aus ja verschiedenen Quellen zusammenführt um ein ungeschöntes und realistisches Bild auch zu zeichnen.
00:28:33: also es erfasst Straftaten die Frauen und Mädchen treffen, weil sie eben Frauen und Medien sind.
00:28:40: Und dieses Lagebild deckt alles ab also von schwersten Gewalttaten über digitale Gewalt bis hin zu politisch motivierter Frauenfeindlichkeit.
00:28:49: das gibt es ja auch und es liefert uns natürlich auch die harten und polizeilich registrierten Zahlen für das Jahr da im Jahr jetzt Und die Zahlen sind absolut erschreckend.
00:29:03: In fast allen Bereichen sehen wir einen Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.
00:29:07: Okay, für das Jahr ist es seit dem Jahr zwanzig.
00:29:10: Wollen wir da einmal
00:29:11: Stück für
00:29:11: Stück die Zahlen des BKA-Lagebildes durchgehen?
00:29:15: und anfangen würde ich gerne mit dem extremsten Bereich den Tötungsdeliten, den Femiziden?
00:29:23: Was sagt das Lagebild dazu?
00:29:25: Ja, die Zahlen zu den Femiziden in Deutschland sind unerträglich.
00:29:28: Ja, im Jahr und Jahr zwanzig wurden in Deutschland neunhundertdreißig Frauen und Mädchen Opfer von Versuchten oder halt eben vollendeten Tötungsdelikten Und das ist ein Anstieg von einem Prozent mit leichtes Vorjahr wo es neunhnundundzwanzig Opfer waren Und weibliche Opfer machen halt fast ein Drittel.
00:29:48: Alle Opfer von Tötungsgedildigten entstand aus und wenn wir uns ansehen, wo diese Taten geschehen, sehen wir eine extreme Konzentration!
00:29:57: Bei Tötungsgedickten in partnerschaftlichen Beziehungen liegt der Anteil weiblicher Opfer bei sage und schreibe.
00:30:03: Achtzig, sechs Prozent
00:30:05: auch!
00:30:05: Achtzig, sechs prozent.
00:30:08: Aachzig, six Prozent aller Opfer von Partnertötung sind Frauen.
00:30:11: das zeigt uns unmissverständlich dass das eigene beziehungs Netzwerk für Frauen der statistisch gefährlichste Lebensort ist.
00:30:20: Wie viele Frauen wurden tatsächlich getötet, wenn ich das mal so fragen darf?
00:30:24: Also nicht nur versucht sondern vollendet.
00:30:26: So schwer mir die Frage fällt.
00:30:27: Im
00:30:27: Jahr im Jahr ist in Deutschland waren das drei Hundertsechzig Mädchen und Frauen, die halt eben Opfer vollendete Tötungsdelikte waren.
00:30:37: Und wenn wir das herunterbrechen bedeutet dass in Deutschland wird fast jeden Tag eine Frau oder ein Mädchen getöteten einfach nur weil sie weiblich ist.
00:30:46: Fast jeden Tag einen Vollende der Femizid.
00:30:49: Das ist eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.
00:30:52: Das passiert mitten unter uns in unserer Nachbarschaft.
00:30:55: Ja und wie sieht es bei den Sexualstraftaten aus?
00:30:58: Dass BKA erfasst diese Delikte ja auch ganz genau?
00:31:01: Ja auch hier sehen wir eine dramatische Entwicklung.
00:31:04: im Jahr twenty-dreiundzwanzig wurden in Deutschland zweiundfünfzigtausend dreihundertdreißig Frauen und Mädchen Opfer von Sexualstraftaten Und das ist ein massiver Anstieg um sechs Komma zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem neunundvierzigtausend zweihundertvierundachtzig registrierte Opfer erfasst wurden.
00:31:23: Das erschreckendste ist.
00:31:24: über die Hälfte der Opfer von Sexualstrafftaten war unter achtzehn Jahre alt.
00:31:29: und wenn wir das jetzt auch wieder auf einen Tag herunterbrechen bedeutet es jeden Tag werden in Deutschland mehr als einhundertviertzig Frauen- und Mädchenopfer einer Sexualstraft hat.
00:31:41: dass wenn wir alle auch irgendwie schon erlebt haben.
00:31:44: Du bist ja Mutter, das ist bestimmt auch eine Angst die du da jeden Tag hast und ich habe es auch schon erlebt, dass junge Mädchen vielleicht auch schon arbeiten wollen neben der Schule, die sechzehn-sebzehn sind und oftmals in der Bar auch aushelfen von älteren Männern, die hätten auch schon die Großväter sein können.
00:32:09: So sexuell belästigt wurden einfach weil sie irgendwie in ihrem Bild junge Frauen so sexualisieren.
00:32:16: und gerade junge Frauen wissen ja doch gar nicht damit umzugehen also erschrecken.
00:32:23: Absolut richtig!
00:32:24: Ja und du sagst es ne?
00:32:26: Ich bin Mutter ich hab meine Tochter ist jetzt vierzehn Jahre also absolut auch das Alter wo solche Thematiken bei uns zu Hause auch in der Tagesordnung teilweise sind, da geht es dann darum was sie anziehen möchte.
00:32:40: Da möchte ich ihr nichts vorschreiben um Gottes Willen.
00:32:42: Ich möchte dass die ansieht was sie will und sich zeigt wie sie möchte.
00:32:46: aber wir haben da tatsächlich auch schon unsere Probleme gehabt im Umfeld ja und ich muss jetzt immer noch an diese Zahl denken.
00:32:55: Jeden Tag hundertvierzig Opfer und die Hälfte davon Kinder- und Jugendliche.
00:33:01: das ist Das ist traurig und eine richtige eigene Krise im Land finde ich.
00:33:07: Und deswegen würde ich gerne einmal über die häusliche Gewalt sprechen, du sagtest doch vorhin das Zuhause?
00:33:13: Ist der gefährlichste Ort.
00:33:15: was sagt die deutsche Statistik dazu?
00:33:18: Ja also da zeigt das Lagebild dass Frauen und Mädchen mit siebzig Komma fünf Prozent die absolute Mehrheit der Opfer von häuslicher Gewalt sind.
00:33:26: Auch hier im Jahr ist die Zahl der weiblichen Opfer in diesem Bereich um fünf Komma sechs Prozent auf.
00:33:33: ja, die schwindelerregende Zahl von einhundert achtzigtausend siebenhundetfünfzehn registrierten Opfern.
00:33:39: Im Vergleich zum Vorjahr waren es einenhundertseinundsiebzig tausend sechstundsiesig Opfer.
00:33:46: Und wenn wir das im Detail irgendwie mal versuchen aufzudröseln, unterscheidet das BKA da wirklich zwischen Partnerschaftsgewalt und Innerfamiliehrer Gewalt.
00:33:55: Also bei der Partnerschaftswahl ist der Frauenanteil mit neunundsebzig Komma zwei Prozent wesentlich höher als jetzt bei der innerfamiliären Gewalt, da liegt er bei fünfzig Prozent.
00:34:07: Und Nancy Weser hatte da auch noch eine weitere leicht verständliche, aber auch schockierende Metrik genannt.
00:34:14: Alle drei Minuten wird eine Frau oder ein Mädchen in Deutschland Opfer von Gewalt.
00:34:18: Alle Drei Minuten?
00:34:20: Das ist krass!
00:34:21: Also während wir hier sitzen und unsere Podcast-Folge aufnehmen werden in Deutschland mehrere Frauen an den eigenen vier Wänden misshandelt oder eingesperrt.
00:34:29: Wow... das is' krass Amelie, du hast vorhin auch das Thema der digitalen Gewalt angesprochen.
00:34:37: Wie spiegelt sich das in den BKA-Zahlen wieder?
00:34:40: Hier sehen wir prozentual den zweithösten Anstieg.
00:34:44: Über siebzehntausend, einhundertdreinneunzig Frauen und Mädchen wurden zwei tausendundzwanzig Opfer von digitaler Gewalt wie zum Beispiel Cyberstocking oder anderen Straftaten über soziale Medien.
00:34:56: Und ich muss dazu auch mal sagen, dass geht unglaublich schnell.
00:34:59: Ich habe sowas in der Art auch schon mal erlebt, nicht so extrem.
00:35:05: Aber letztes Jahr habe ich jemanden kennengelernt und das war aber auch nicht flirten oder irgendwas von meiner Seite aus sondern einfach nur man hat sich mal unterhalten.
00:35:17: Dieser Mann wusste tatsächlich nur wie alt ich bin und mein Vorname.
00:35:20: mehr wusste er nicht Und er hat irgendwie herausgefunden wo ich arbeite.
00:35:29: Da werde ich mich noch dran erinnern, das war letztes Jahr im Mai.
00:35:34: Und ich hatte schon Feierabend gemacht und Mandy ruft mich an und sagt so schreibt mir, können wir kurz telefonieren auch Facetime?
00:35:41: Und ich war so, also Mandy ist unsere Chefin.
00:35:45: Und dann sagt sie sich ja hier kam gerade was für dich.
00:35:49: Und dann wurden wir Blumen geliefert von Florop und ich, da war auch eine Karte dabei und ich meinst mach mal auf.
00:35:54: So keine Ahnung von wem die ist?
00:35:56: Ich dachte so...
00:35:57: klingt erst mal schön!
00:35:58: Ja, ich dachte mir erstmal total schön Freunde oder so, keine Ahnung.
00:36:04: Irgendwer wollten wir mit einer Freude machen.
00:36:06: Dann war das eben von diesem Mann.
00:36:08: Es war von diesen
00:36:09: Mann
00:36:09: und ich fand es so unheimlich und ich war erstmal so was mache ich jetzt so.
00:36:16: Ich habe dem dann irgendwann auch ganz eindeutig zu verstehen gegeben, dass das wirklich eine komplette Grenzüberschreitung war was er da gerade gemacht hat und ich das absolut nicht in Ordnung finde.
00:36:27: Ja und daran sieht man das wieder muss ich ganz ehrlich sagen der Mann hat wahrscheinlich einfach versucht dir ne Freude zu machen und fand seine Idee wahrscheinlich total toll.
00:36:38: da jetzt irgendwie für dich dazu sein.
00:36:41: Genauso ja wahrscheinlich auch der Typ, der sich da mit mir auf dem Festival unterhalten wollte.
00:36:45: Na die denken sicher nicht wirklich was dabei.
00:36:48: Die wissen gar nicht, was die bei uns Frauen und oder Mädchen und Jugendlichen Frauen... Was sie dort wortwörtlich anrichten mit ihrem Verhalten.
00:36:58: Die denken sich nichts dabei, denken das ist nett.
00:37:00: aber nein Jungs!
00:37:02: Es ist grenzüberschreitend und es darf halt nicht sein.
00:37:05: Ja, warum ich das eben erzähle?
00:37:07: Ich habe diesen Mann über Instagram kommuniziert also der hatte mich da angeschrieben.
00:37:11: Ich hab ihm nicht mal irgendwie gefolgt oder irgendwas so und dadurch wusste er einfach auch meinen Namen zum Beispiel.
00:37:19: Also ich poste dann nichts irgendwie Arbeitsbezogenes oder sonst Großwasser.
00:37:25: War schon auf jeden Fall doll!
00:37:26: Und mein Profil ist noch privat.
00:37:30: Okay, zurück zum Thema.
00:37:31: Ich wollte doch noch mal ganz kurz was zu den BKA-Zahlen wissen?
00:37:34: Wie spiegelt sich das nochmal wieder?
00:37:36: Ja, was wir dazu noch irgendwie sagen können ist halt dass man natürlich da auch von dem Dunkelfeld ausgehen muss.
00:37:41: also die tatsächlichen Zahlen, die ich jetzt eben da schon genannt hatte, die dürften um ein vielfaches höher liegen.
00:37:48: Da irgendwie viele digitale Detikter erst gar nicht zur Anzeige gebracht werden.
00:37:52: Gibt es noch andere Bereiche im Lagebild, die uns Sorgen machen sollten oder die stark ansteigen?
00:37:58: Ja, ich hatte das einmal schon nur ganz kurz genannt.
00:38:01: Nämlich politisch motivierte Kriminalität mit frauenfeindlichen Hintergrund.
00:38:05: Da verzeichnen wir prozentual gesehen tatsächlich auch den absolut höchsten Anstieg.
00:38:11: hier wohnen im Jahr.
00:38:12: es ist insgesamt dreihundert zwanzig Straftaten erfasst und das macht ein Anstiege von sechsundfünfzig Komma drei Prozent zum Vorjahr aus wo wir noch zweihundert Sechs Fälle hatten.
00:38:25: Und das zeigt, dass eben frauenfeindlicher Hass oft politisch motiviert ist und im Netz sowie auf der Straße immer aggressiver auch eskaliert.
00:38:33: und auch beim Menschenhandel beispielsweise zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Zuhälterei oder auch der zwungen Prostitution steigen die Zahlen an.
00:38:44: Fünfhundert und neunzig Frauen und Mädchen wurden zwei tausenddreifundzwanzig Opfer, das ist ein Anstieg um sechs Komma neun Prozent.
00:38:51: Also ja fast ein Dritter dieser Opfer.
00:38:54: Einen dreißig Komma fünf Prozent die waren unter einen zwanzig Jahre alt.
00:38:58: wenn wir uns diese breite Palette an Gewalt ansehen von Femiziden über Sexual-Straftaten häusliche Gewalt bis hin zu Cyber Stalking und Menschenhandel Dann drängt sich natürlich die Frage nach den Tätern auf.
00:39:11: Wer sind die Täter laut diesem Lagebild, aus welchen Gründen entstehen diese Taten?
00:39:16: und oft wird in den politischen Debatten ja sehr schnell über die Nationalität oder Herkunft der Täter spekuliert?
00:39:22: Was sagt die Kriminalstatistik des BKA ganz nüchtern dazu?
00:39:26: Ja, hier liefert das Lagebild ein sehr klares und auch empirisches Bild.
00:39:31: Das mit vielen Vorurteilen aufräumt.
00:39:33: Die Daten zeigen unmissverständlich – die weit aus größer Zahl der Opfer und auch der Tatverdächtigen in all diesen Bereichen hat die deutsche Staatsangehörigkeit.
00:39:43: Gewalt gegen Frauen ist kein importiertes Problem wie es manchmal in bestimmten Narrativen dargestellt wird Und es ist ein tiefsitzendes, gesamtgesellschaftliches Problem.
00:39:54: Dass sich durch alle Schichten, alle Bildungsgrade und auch Milieus zieht – die einzige Fallgruppe in der der Anteil an nicht-deutschen Staatsangehörigen sowohl bei den Opfern als auch bei den Tatverdächtigen statistisch erhöht ist, ist der Bereich des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung.
00:40:11: aber
00:40:12: für die klassischen Bereiche wie häusliche Gewalt, Sexualdelikte und Femizide gilt, der Täter ist im Regelfall deutsch.
00:40:19: Ja, das finde ich gut, dass du das nochmal so aufgeschlüsselt hast.
00:40:23: Weil mich persönlich sage ich da an der Stelle ganz bewusst macht es immer sehr wütend wenn dann die Medien eben da ein Bild erschaffen wollen wie du schon sagst, dass das Problem importiert sein sollte.
00:40:36: Ich
00:40:36: muss auch dazu sagen immer wenn mir irgendwie mal was vorgekommen ist wie jetzt beispielsweise dass der einen mir da einen Rock gefasst hat und so Wir reden hier, es waren immer deutsche.
00:40:48: Es waren immer deutschen Männer und ich persönlich kann auch nur von mir sprechen.
00:40:53: Ich habe da auch mehr Angst wenn ich irgendwie in einer Gruppe Männer vorbeigehe wo ich weiß das sind so diese klassisch-deutschen Hier und Da.
00:41:02: also tatsächlich habe ich mehr angst vor den
00:41:06: Ja.
00:41:06: also ich kann jetzt nicht immer sagen ob es Deutsche waren weil oft haben sie So doll gelallt dass man nicht mehr verstehen konnte woher sie kam.
00:41:12: aber
00:41:13: Ich will jetzt mal kurz oberflächlich sagen, Sie sahen auf jeden Fall Deutsch aus und bin ehrlich ich hatte mit denen die meisten Probleme.
00:41:23: Die sahen für mich alle deutsch aus und ich hatte auch mit Männern deutsche Herkunft mehr Probleme als vielleicht, sage ich mal mit meiner anderen Herkunft.
00:41:36: Da habe ich nämlich ganz im Gegenteil
00:41:40: sehr gute Erfahrungen gemacht, die auch geholfen haben und alles Mögliche.
00:41:46: Ich kann ja mal sagen wo ich mich auch unablich unwohl gefühlt habe war beispielsweise auch beim Fußball wenn nicht mehr zum Fußball gegangen bin.
00:41:53: aber das würde nochmal ein ganz neues Feld aufmachen gerade wenn der Spiel vorbei ist und man will einfach nur gehen.
00:41:59: Ich weiß nicht, ich wäre reich wenn ich für jeden Spruch irgendwie ein Euro bekommen hätte.
00:42:04: Oh
00:42:04: ja auch!
00:42:05: Ich wohne dort in der Nähe und habe das Glück dass ich manchmal wenn ich dann nicht auf die Zeiten achte zur Spielzeit oder Vorspielzeit einkaufen gehe und da sind sie wirklich... Alle unten, also jede zweite Briefkasten wird bepinkelt und jeder zweite Schritt von mir kommentiert.
00:42:27: Also ist immer sehr unangenehm Und deswegen ich finde das sind erdrückende Zahlen.
00:42:33: ja auch und Amelie macht uns traurig und wütend Ich merke es Ja Aber wir wollen die Hörerinnen und Hörern nicht in dieser Ohnmacht entlassen.
00:42:42: Das Nein auf gar keinen Fall.
00:42:44: Deswegen würde ich gern darüber sprechen was getan wird Und vor allem, was getan werden muss.
00:42:50: Welche rechtlichen und politischen Instrumente gibt es auf nationaler und europäischer Ebene um diesen Missstand endlich zu beenden?
00:42:59: Ein ganz zentrales Instrument auf europäische Ebene ist die sogenannte Istanbul-Konvention.
00:43:04: Das ist ein Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und verpflichtet halt die Unterzeichnerstaaten zu weitreichenden Maßnahmen, also von der Prävention über Opferschutz hin bis zur systematischen Erhebung und Verwaltung von vergleichbaren Daten.
00:43:29: Was Deutschland ja auch nun mit diesem ersten BKA-Lagebild
00:43:32: umsetzt.".
00:43:33: Und was passiert konkret in der deutschen Bundespolitik?
00:43:36: Die Ministerin Feser und Paus haben bei der Vorstellung des Lagebilds ja auch Forderungen erhoben und Gesetzesentwürfe besprochen?
00:43:44: Ja, richtig.
00:43:45: Also da wurde eine ältere Gangart auch gegen die Täter irgendwie gefordert.
00:43:51: also neben härteren Strafen wird auf zwei konkrete präventive Instrumente gesetzt.
00:43:57: erstens werden für Pflichtende antige Waldtrainings für Täter geforderdet und zweitens auch den Einsatz von elektronischen Fußfesseln Mit dem Ziel eben, dass Täter ihr Verhalten tatsächlich ändern und auch verhindert wird das sie sich bei den betroffenen Frauen unbemerkt wieder nähern.
00:44:14: Denn ja oft nützen Nährungsverbot auf dem bloßen Papier nichts wenn Sie nicht effektiv überwacht
00:44:21: werden.".
00:44:22: Das klingt nach einem sehr sinnvollen technischen Schutz.
00:44:25: aber wie sieht es mit der Unterstützung für die Opfer aus?
00:44:30: Wie steht es um Frauenhäuser und Beratungsstellen?
00:44:33: Da hören wir ja seit Jahren, dass die Plätze hinten und vorne nicht reichen.
00:44:37: Genau an dieser Schnittstelle setzt Bundesfrauenministerin Lisa Paus an.
00:44:42: Sie kämpft seit langem auch für das Gewalthilfegesetz mit dem Argument eben Frauen, die bedroht sind und Schutz suchen brauchen keine theoretischen Debatten sondern halt eben schnellen und niedrigschwelligen Schutz und haben ja auch sofortige Beratung.
00:44:56: Und dieses Gewalthilfegesetz soll einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung für von Gewalt betroffene Frauen halt eben verankern.
00:45:05: Und dieser Rechtsanspruch, der muss mit einem massiven Ausbau der Infrastruktur auch einhergehen – also heißt mehr Frauenhäuser, mehr Beratungsstellen und auch mehr Fachberatungen.
00:45:15: Dieser Entwurf wurde intensiv mit den Ländern und auch Kommunen am Tisch irgendwie verhandelt demokratischen Kräfte im Bundestag appelliert, dieses Gesetz dann halt auch zu verabschieden weil es im wahrsten Sinne des Wortes eben auch Leben retten kann.
00:45:33: Es ist im Grunde beschämend dass wir im einundzwanzigsten Jahrhundert überhaupt noch über so einen Rechtsanspruch debattieren müssen.
00:45:40: aber bis diese großen politischen Räder ineinander greifen Was können Frauen sofort tun, wenn sie sich in einer bedrohlichen Situation befinden?
00:45:47: Welche niedrigschwelligen Hilfsangebote gibt es in Deutschland, die man sofort und ohne bürokratische Hürden erreichen kann.
00:45:54: Also da gibt es zwei ganz zentrale und extreme wichtige Anlaufstellen, die jede und jeder von uns kennen sollte.
00:46:01: Sei es weil man selbst betroffen ist oder weil man im Freundeskreis in der Familie oder Nachbarschaft etwas beobachtet.
00:46:07: zum einen haben wir das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen.
00:46:11: Das ist ein bundesweites kostenloses barrierefreies und auch auf Wunsch komplett anonymes Beratungsangebot Dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr rund um die Uhr unter der Telefonnummer one-one-sex, null ein-sex erreichbar.
00:46:24: Das Besondere ist die Beratung wird nicht nur auf Deutsch sondern auch in achtzehn Fremdsprachen angeboten.
00:46:30: also wer Unterstützung sucht kann dort anrufen ohne Angst haben zu müssen nicht auch verstanden zu werden oder dass die Nummer auf der Telefondrechnung irgendwie auftaucht und die dazugehörige Website lautet www.hilfetelefon.de.
00:46:46: Zum Zweiten haben wir auch die App des Vereins Gewaltfrei in die Zukunft TV.
00:46:51: Für Frauen, bei denen irgendwie das Telefonieren in der Wohnung vielleicht zu gefährlich ist weil der Partner im Nebenzimmer ist bietet diese App dann zum Beispiel einen extrem diskreten und niedrigschwelligen Zugang zur Information- und Hilfsangeboten an und dient quasi als digitale Brücke ins bestehende Hilfsnetzwerk.
00:47:10: Und hier findet man weitere Informationen unter www.gewaltfrei-in-die-zukunft.de.
00:47:19: Okay, die Nummer einst sechzehn null sechszehn lasst uns die bitte alle im Handy abspeichern kann nicht schaden.
00:47:27: sie kann Leben retten.
00:47:28: und für Kinder und Jugendliche die häusliche Gewalt in ihren Familien miterleben oder sogar selbst davon betroffen sind gibt es ja auch ein spezielles Angebot.
00:47:37: Und die Initiative des Vereins BIG EV mit der Seite www.gewalt-ist-ni-ok.de Die gibt's auch noch mal, da können wir nochmal darauf hinverweisen Denn häusliche Gewalt betrifft auch Kinder immer selbst wenn sie nur Zeugen sind und das ist eine kindgerechte Seite.
00:47:58: Da finden junge Menschen halt auch verständliche Informationen Und sichere Hilfewege.
00:48:04: und was ich noch habe, das hab' ich letztens nämlich gefunden.
00:48:07: Es gibt auch eine App fürs Handy die heißt... Jetzt muss ich mal nachschauen.
00:48:13: Laut Punkt jetzt kann man sich runterladen und dann kann man es auch in seiner Stadt sehen.
00:48:19: da kann man nämlich auch eintragen okay was ist so in meiner Nähe passiert?
00:48:23: In den letzten dreißig Tagen kann man da so ranzoomen Ich mach das mal hier nebenbei jetzt für Rostock Kann man das eintragen.
00:48:30: Sieht, was es in den letzten dreißig Tagen wo passiert.
00:48:33: Das kann man ganz anonym hier eintragen und ich zeige es dir mal Jen.
00:48:36: Das war nur die letzten drei Tage und ich bin jetzt nur Stadtmitte.
00:48:39: Alles was wir hier so da sieht man dann halt so rot-gelbe leuchtende Punkte.
00:48:44: oder kann man dann auch direkt drauf gehen.
00:48:46: das sieht man Am neuen Markt direkt ist auch mehr passiert oder auch am Strand und hier und da.
00:48:52: Das kann einfach sein, wenn man sich nur unsicher gefühlt hat das kann man auch angeben weil irgendwie komische Leute, komische Männer da waren oder man wirklich beleidigt wurde oder ja alles mögliche.
00:49:04: Da gibt es verschiedene Sachen die man angeben kann.
00:49:09: Geht damit auf jeden Fall sorgsam um?
00:49:11: Das kann Menschen helfen vielleicht sogar ein Leben retten Aber natürlich eben auch viel kaputt machen, deswegen seid immer ehrlich und aufrichtig.
00:49:21: Ganz wichtig!
00:49:22: Und ja zusammengefasst haben wir heute über die tiefen dunklen Abgründe unserer Gesellschaft gesprochen.
00:49:30: nochmal gesagt jede dritte Frau in der EU hat Gewalt erfahren.
00:49:34: nur jede achte zeigt sie bei der Polizei an.
00:49:37: In Deutschland wird fast jeden Tag eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet und die digitale Gewalt im Netz nimmt zu.
00:49:45: Es sind Zahlen, die wir tun.
00:49:46: ja ich weiß aber sie leeren uns eines Wir dürfen nicht mehr wegsehen.
00:49:50: Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache.
00:49:53: Sie isst eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
00:49:56: Ganz genau, und es geht halt auch um Wachsamkeit.
00:49:59: Es geht darum dass wir im Alltag hinhören das für unserem Gefühl vertrauen, dass wir nicht weg schauen und auch aktiv unterstützen und vor allem dass wir als Gesellschaft den Tätern signalisieren okay wir dulden das nicht.
00:50:11: null Toleranz für Gewalt und Hass gegen Frauen weder im analogen noch im digitalen Raum.
00:50:17: Ah, Amelie!
00:50:17: Das war jetzt echt eine sehr intensive Folge von uns ne?
00:50:20: Von Gott der Funken.
00:50:23: Wir hoffen, wir konnten euch die Augen für dieses drängende Thema öffnen und die Datenkomplexität ein bisschen verständlicher machen.
00:50:31: Ja teilt diese Folge gerne um auch eben mehr Aufmerksamkeits zu schaffen, speichert die Nummer ja hundertsechzehn zero sechszehn ab und passt auf euch auf.
00:50:41: bis zum nächsten Mal würde ich schon mal sagen würde
00:50:44: ich auch fast sagen, aber wir haben ja noch unsere Grüße vergessen.
00:50:47: Ja!
00:50:48: Ich weiß gar nicht inwiefern grüße bei dieser Folge Machver sind.
00:50:52: Ich würde alle starke Frauen grüßen.
00:50:54: Alle Frauen?
00:50:55: Ja, alle Frauen sind auch stark.
00:50:58: Also ich grüse vor allen Dingen alle Frauen die sowas schon mal erlebt haben mitbekommen haben das durchstanden haben und oder sich dafür einsetzen.
00:51:10: Habt den Mut, teilt euch mit.
00:51:12: Ihr seid nicht alleine, ihr habt das an den Zahlen gehört und mein Gruß geht genauso raus an alle Männer die sich auch dafür einsetzen, die Frauen beschützen und vielleicht sich jetzt in der Folge selber dabei erwischt haben mal irgendwie grenzüberschreitendes Verhalten oder noch mehr an den Tag gelegt zu haben.
00:51:33: Vielleicht denkt ihr da in Zukunft ein bisschen drüber nach Auch wenn ihr es vielleicht nicht böse oder witzig meint.
00:51:39: Ihr macht damit was bei uns Frauen und das ist wichtig, dass da jeder mal in sich geht.
00:51:45: Das wäre mein Gruß!
00:51:47: Dem ist nichts mehr hinzuzusügen.
00:51:49: Macht's gut!
00:51:50: Bis zur nächsten Folge.