Götterfunken - die Lauschfrequenz für europapolitische Ohren

Götterfunken - die Lauschfrequenz für europapolitische Ohren

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00:00:07: Hallo und herzlich Willkommen zu Götter Funken, die Lauschfrequenz für europapolitische Ohren.

00:00:11: Mein Name ist

00:00:12: Amelie Und ich bin Jen.

00:00:14: Hello!

00:00:15: Schön dass ihr wieder rein hört.

00:00:16: AmelIE ma Hand aufs Herz.

00:00:19: Wie verbringst du den dritten Oktober normalerweise?

00:00:21: Einfach ausschlafen oder schön

00:00:23: Käffchen trinken?

00:00:24: Hier schon eher das Ausschlaven und dann danach vielleicht schön Käfchen trinken also so eine Mischung aus Beidem.

00:00:29: dieses mal bin ich auch erstmal schönen langer Ausgebicht zum Frühstück eingeladen.

00:00:35: Aber mal ganz davon abgesehen, als so Europa jetzt wie wir es natürlich sind kommt man am dritten Oktober eigentlich nicht vorbei ohne die europäische Brille auch dabei aufzusetzen.

00:00:46: Die meisten denken ja irgendwie bei dem Tag der deutschen Einheit an was wohl.

00:00:49: Bürgerfeste, irgendwie Bratwurst, freie Tage auch vor allem aber nicht an Europa.

00:00:55: dennoch ohne Europa ergeben es diesen Tag schlichtweg nicht.

00:00:58: Ja absolut korrekt.

00:01:00: die deutsche Wiedervereinigung war ja auch kein isoliertes deutsches Ereignis sondern das Epizentrum eines gigantischen europäischen Umbruchs.

00:01:08: Und heute wollen wir mal hinter die Kulissen blicken.

00:01:11: Warum feiern wir eigentlich den dritten Oktober und nicht am neunten November?

00:01:15: zum Beispiel, wie lief der epische Krimi in der DDR Volkskammer ab?

00:01:19: Was bedeutet dieser Tag für das europäische Zusammenwachsen?

00:01:23: Ja, ich würde sagen schnellt euch an.

00:01:25: Wir reisen nämlich jetzt einmal quer durch die Wendezeit, Verträge, Nachtsitzung und auch die heutigen Ost- und Westrealitäten.

00:01:33: Genau!

00:01:34: Dann fangen wir mal mit einer Frage an.

00:01:37: Die hat sich bestimmt schon jeder Mal gestellt Warum ist der Tag der Deutschen Einheit eigentlich der dritte Oktober?

00:01:43: Der Mauerfall war doch am neunten November in Neunzehnhundertneunund Achtzig.

00:01:46: Also das wäre doch eigentlich das emotionalere Datum gewesen oder nicht?

00:01:50: genau Das wurde auch sich wirklich intensiv diskutiert, aber der neunte November war halt dieser emotionale Höhepunkt der friedlichen Revolution.

00:02:00: Dennoch ist historisch gesehen der neunte November extrem vorbelastet oder der November allgemein vor allem durch die schrecklichen November-Pokrome von und deshalb war halt auch allen Beteiligten klar so als frulliger Nationalfeuertag eignet sich dieses Datum einfach gar nicht.

00:02:17: Okay, und stattdessen wurde es dann der dritte Oktober, der Tag, an dem der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland nach Art.

00:02:27: Und das ist übrigens der einzige Feiertag in Deutschland, der durch das Bundesrecht festgelegt ist.

00:02:35: Alle anderen Feiertage sind reine

00:02:36: Ländersachen.".

00:02:37: Ja und wie es dann zu diesem Datum kamen?

00:02:39: Das war auch wirklich so ein politischer Fröhler, weil in der Nacht vom Zweiundzwanzigsten auf den Dreiundzwenzigsten August, Ninzehundertneunzig gab es eine legendäre Sondersitzung der DDR-Volkskammer.

00:02:50: Der damalige DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière hatte die Setzung beantragt und es wurde stundenlang hitzig debattiert bis... in die Morgenstunden und alt, auch bis die Volkskommapräsidentin Sabine Bergmann-Pohl dann um Punkt zwei Uhr dreizig morgens das Ergebnis verkündete.

00:03:09: Nämlich zweihundertvierundneunzig Abgeordnete, die stimmten für den Beitritt zum dritten Oktober.

00:03:14: Ja!

00:03:14: Und Gregor Gisi von der PDS trat danach ans Mikrofon und kommentierte ganz trocken – dass Parlament habe soeben den Untergang der DDR beschlossen?

00:03:24: Aber sag mal Amelie, warum ausgerechnet der dritte Oktober?

00:03:27: Warum nicht der erste oder der fünftzehnte?

00:03:31: Das lag eigentlich nur an der Mischung aus Termindruck und auch internationaler Diplomatie, könnte man sagen.

00:03:37: Also am zweiten Oktober-Ninzehnundneunzig fand New York die KSZE Außenministerkonferenz statt oder bei der die Siegermächte über die Ergebnisse der zwei plus vier Verhandlungen informiert wurden und die Bundesregierung den wollte dem beitreten erst nach diesen Treffen auch vollziehen.

00:03:56: Und gleichzeitig drängte die Zeit wegen der gesamten Deutschen Bundestagswahl am zweiten Dezember, das Wahlrecht schrieb vor, dass die Wählerlisten spätestens acht Wochen vor der Wahl fertig sein mussten.

00:04:08: Stichtag war Sonntag, der siebte Oktober.

00:04:11: Die Bürger der DDR mussten also genau in dieser Woche Bundesbürger werden.

00:04:15: Et voilà!

00:04:16: Mittwoch, der dritte Oktober, wurde es dann.

00:04:19: Ja was man aber auch oft vergisst, Vor-Ninzentundneunzig gab es in Westwestland einen ganz anderen Tag der deutschen Einheit?

00:04:26: mit einem Kleindee geschrieben.

00:04:28: Der war aber am siebzehnten Juni und erinnerte an den gewaltsamen niedergeschlagenen Volksaufstand in der DDR von Threeinfünfzig.

00:04:36: Stimmt!

00:04:47: Und in der DDR feierte man währenddessen am siebten Oktober den Tag der Republik.

00:04:59: Aber gut, kommen wir zum Herzstück unseres Podcast der europapolitischen Dimension.

00:05:04: Man hört ja oft die Erzählung Helmut Kohl und Michael Gorbatschow haben das unter sich ausgemacht.

00:05:10: aber europäisch betrachtet war das ein hochkomplexes Geflächte

00:05:15: Ganz genau.

00:05:16: Der Schlüssel zur Wiedervereinigung war der Zwei-Plus-Vier Vertrag, der am Zwölften September nineteen neunzig in Moskau unterzeichnet wurde.

00:05:23: Die Ausminister der beiden deutschen Staaten sowie halt der vier Siegermächte also USA, UDSSR, Frankreich und Großbritannien haben halt darin das Ende der alliierten Rechte über Berlin und Deutschland beschlossen und damit erhielt das vereinte Deutschland seine volle Souveränität auch zurück.

00:05:41: Das war diplomatische Schwerstarbeit.

00:05:44: Die USA und der George Bush Senior unterstützen den Prozess auch sehr stark, aber in Europa gab es bei den Nachbarn anfangs erhebliche Skepsis vor einem zu mächtigen Deutschland.

00:05:55: François Mitterrand in Frankreich und Margaret Thatcher in Großbritannien hatten da doch relativ große Bedenken!

00:06:01: Ja,

00:06:02: also genau deshalb ist auch so ein Blick in die Eingangsformel des Einigungsvertrages wirklich spannend.

00:06:07: Also dort steht explizit geschrieben dass die deutsche Einheit angestrebt wird um im letzten Anführungszeichen durch die Deutsche Einheit einen Beitrag zur Einigung Europas und zum Aufbau einer europäischen Friedensordnung zu leisten in der Grenzen nicht mehr trennen.

00:06:24: Also die Wiedervereinigung Deutschland war also von Tag eins an unrennbar mit der vertieften europäischen Integration halt verwoben

00:06:32: und wir dürfen ja auch die Rolle unserer osteuropäischen Nachbarn nicht vergessen.

00:06:37: Hier.

00:06:37: Angela Merkel hat das in ihrer Festrede, im Halle an der Saale, ziemlich deutlich betont.

00:06:44: Die deutsche Einheit wäre niemals möglich gewesen ohne den Mut der Menschen in Mittel- und Osteuropa.

00:06:50: Man denke an die Solidarnoscht in Polen oder die Grenzöffnungen in Ungarn, neunzehnhundertneunundachtzig?

00:06:56: Also der dritte Oktober, neunsundneunzig markiert historisch eben nicht nur das Ende der DDR sondern halt auch das eigentliche Ende des Kalten Krieges in ganz Europa.

00:07:06: Und es war halt auch der Startschutz für das Zusammenwachsen des gesamten Kontinents und auch die spätere EU-Osterweiterung.

00:07:13: Okay, dann lass uns mal ins Hier und Jetzt vorspulen!

00:07:18: Wir feiern den Tag der Deutschen Einheit nun seit über drei Jahrzehnten.

00:07:23: Wie sieht die Realität heute aus?

00:07:25: Ist denn eigentlich zusammengewachsen was zusammen gehört?

00:07:29: Vielleicht schauen wir erst mal darauf, wie gefeiert wird.

00:07:32: Das ist nämlich urförderal.

00:07:34: also die zentralen Feierlichkeiten finden jedes Jahr an einem anderen Bundesland statt und zwar in dem Land das aktuell den Vorsitz im Bundesrat hat.

00:07:43: Also dass es in der sogenannten Königsteiner Vereinbarung geregelt.

00:07:48: Und jetzt in diesen Jampen, zwanzig sechsundzwanzig richtet zum Beispiel Bremen Die offiziellen Feierlichkeit unter dem Motto viele Stärken ein Land aus.

00:07:55: Wenn wir aber auf die harten Fakten blicken sehen Wirtschaftliche und gesellschaftliche Angleichung ist ja ein langer Weg.

00:08:02: Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Ostdeutschlands liegt heute bei etwa eighty-six Prozent des westdeutschen Durchschnittes, auch bei den Löhnen.

00:08:10: Da verdienen Vollzeitbeschäftigte im Osten im Schnitt noch immer rund einundzwanzig Prozent beziehungsweise knapp dreizehntausend Euro Brote um Jahr weniger als im Westen Und beim durchschnittlichen Vermögen privater Haushalte steht der Westen bei ca.

00:08:25: eineinhalb Millionen Euro, während es im Osten nur etwa achtundachzig Tausend Euro sind – also weniger als die Hälfte!

00:08:33: Das prägt natürlich auch irgendwie die politische Wahrnehmung.

00:08:37: Angela Merkel hat es in der Rede in Kiel offen angesprochen, dass sich viele Ostdeutsche immer noch als Bürger zweiter Klasse fühlen und dass die formale staatliche Einheit zwar vollendet ist aber diese innere Einheit der Menschen ein kontinuierlicher Prozess bleibt.

00:08:56: Ja, auf jeden Fall.

00:08:57: Ich hab das tatsächlich auch noch gespürt und allein dass wir noch Ost- und West sagen ist eigentlich auch schon schade...

00:09:02: ich bin ja ein bisschen später geboren aber selbst ich krieg's irgendwie noch zu spüren.

00:09:09: gerade die Medien machen da irgendwie noch viel Tammtamm drum.

00:09:13: also ich finde die Medien haben immer noch einen sehr großen Einfluss drauf weil sich relativ schade findet weil ich für meinen Denken das einfach nicht habe Aber ich kriege es trotzdem von außen mit Und halt.

00:09:22: viele Alte haben dieses Denken halt Und leider auch diese Vorurteile jetzt, wir hatten die Landtagswahlen ja vor kurzem.

00:09:30: Wenn man die Kommentare irgendwo online gelesen hat wie es immer hieß, sollten wir vielleicht lieber eine Mauer wieder aufbauen und dann die ganzen Ost-Bundesländer ausschließen da krieg ich's halt irgendwie noch mit.

00:09:43: aber kommentare Online sind ja auch wieder soziale Medien

00:09:47: Richtig, ich kenne das auch noch.

00:09:48: Ich hatte damals einen Freund aus Nordrhein-Westfalen mit Anfang zwanzig und seine Eltern haben auch nur Witze darüber gemacht.

00:09:55: Ich habe die zu dem Zeitpunkt gar nicht wirklich verstanden oder gefühlt aber trotzdem kam das immer noch.

00:10:01: Ja gut zurück zum Thema und zwar Frank Walter Steinmeier hat es in Potsdam betont.

00:10:09: Wir sind alle das Volk!

00:10:11: und gefordert, dass wir den Mut der friedlichen Revolutionäre stärker im kollektiven Gedächtnis verankern müssen.

00:10:16: Die Transformationserfahrungen des Osten sind also ein wichtiger Teil der gesamtdeutschen und europäischen Identität.

00:10:24: Okay!

00:10:24: Und was nehmen wir also so mit für unsere europapolitischen Ohren?

00:10:29: Also man könnte sagen das der dritte Oktober kein loses deutsches Jubiläum ist.

00:10:34: viel mehr erinnert uns der Tag daran Ja, wie schnell scheinbar unumstößliche Grenzen doch fallen können.

00:10:41: wenn man Mut hat beweist auch oder friedliche Revolutionen und internationale Diplomatie zusammenkommen.

00:10:49: Und er zeigt uns dass europäische Einigung kein Zustand ist sondern eine Daueraufgabe.

00:10:54: Wenn wir heute auf europäisch Krisen blicken lohnt sich der Blick zurück Auf den Herbst-Ninzehnhundetneunzig.

00:11:00: Zusammenhalt braucht Respekt vor unterschiedlichen Biografien und den Gemeinsamen Willens Freiheit?

00:11:07: Ja, das war heute mal eine relativ kurze Folge.

00:11:11: Ich würde sagen, das wars erst mal von uns für heute bei.

00:11:13: Götter Funken aber kommt gerne mit uns ins Gespräch.

00:11:17: wie seht ihr das alles noch, wie feiert ihr den dritten Oktober oder welche europapolitische oder europäische Perspektive fehlt euch vielleicht auch noch dazu?

00:11:26: schreibt uns es gerne in die Kommentare oder halt auf unseren Social Media

00:11:30: Kanälen auf

00:11:31: den anderen sei es Instagram Facebook LinkedIn I don't know, da gibt's ja ein

00:11:35: paar.

00:11:36: Ja genau und dann fährt noch die Grüße oder?

00:11:41: Oh Gott!

00:11:41: Die Grüße macht mich langsam fertig.

00:11:43: ich hab es damals ins Leben geholt.

00:11:45: Ach du warst

00:11:45: das?

00:11:46: Ich weiß

00:11:47: nicht mehr wie ich grüßen soll.

00:11:48: Du hast dir dein eigenes Bein gestellt.

00:11:50: Wie immer.

00:11:51: Wir können jetzt zusammen...

00:11:53: Ich weiß wenig Grüße Leg los.

00:11:55: Ach nicht, ich weiß zwar jetzt muss ich mir überlegen.

00:11:57: Nee mach mal erstmal deine

00:11:58: Grüße!

00:11:59: Also ich grüße dann einfach mal an der Stelle die Eltern von meinem Ex-Freund aus Nordrhein-Westfalen.

00:12:05: Ich nenne hier keine Namen und hoffe dass sie vielleicht ein bisschen moderner denken und nicht mehr ganz so viele Witze über Ostdeutschland

00:12:14: machen.

00:12:15: Ja, grüße ich jetzt jemanden, von dem ich weiß dass die Person den Podcast hört.

00:12:20: Aber wir eigentlich nicht so gut miteinander sind?

00:12:21: oder grüßt sich jemandem, von denen?

00:12:23: ich weiß der Podcast nicht aber wir sind cool miteinander!

00:12:26: Beide, beide grüßen weil ich bin jetzt neugierig.

00:12:29: Dann gibt es Stress.

00:12:32: Ich mag

00:12:32: Stress Ich grüste Brian So bis dahin

00:12:39: Ciao.

Über diesen Podcast

Mit unserem Podcast „Götterfunken“ bekommst Du die Lauschfrequenz für europapolitische Ohren. Neu haben wir unser Format „Europa erklärt“. Hier findest du das nötige Grundwissen für ein gutes Verständnis der europäischen Institutionen und Organe. Alles was es braucht um die Europäische Union besser zu verstehen!
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von und mit Team des EIZ Rostock

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